Mit dem Wohnwagen auf “Le Gurp” 2019 – Teil 2

Campingplatz, Aufbau und die ersten Tage

Camping Municipal du Gurp | Juni 2019

Frankreich. Département Gironde in der Region Nouvelle-Aquitaine. Grayan-et-l’Hôpital.

Wir sind also am Samstagvormittag auf dem Campingplatz angekommen, haben uns einen Stellplatz ausgesucht und so ging es nun darum, den Wohnwagen auszurichten, das Vorzelt aufzubauen und uns langsam für die nächsten zweieinhalb Wochen niederzulassen.


Unsere “Parzelle” – wenn man es so nennen kann

Wir hatten uns eine ziemlich große Parzelle ausgesucht. Wobei man auf diesem Campingplatz eigentlich nicht von Parzellen sprechen kann. Parzelle hört sich doch immer eher nach hübschem Rasen, einer akkurat gestutzten Hecke oder nach Dauercamping an. So etwas gibt es hier zwischen den Pinien nicht. Weder ist hier irgendetwas akkurat gestutzt, noch gibt es Rasen. Der Stellplatz wird nicht eingegrenzt, sondern markiert durch vier Steine, an denen man sich orientieren muss.

Lacri (wir erinnern uns, sie ist meine Schwester) hat sich für ihr Zelt eine Stelle möglichst weit hinten auf unserem Stellplatz ausgesucht, unseren Wohnwagen haben wir ein Stück weiter vorn quer zum Weg gestellt. Links und rechts von uns war noch alles frei – keine Nachbarn.


Gutes Augenmaß

Den Aufbau des Vorzeltes hatten wir vor Fahrtantritt schon einmal getestet. In erster Linie um grob zu wissen wo alles hin muss, aber auch um nicht unfreiwillig für die Unterhaltung der nächsten Nachbarn zu sorgen.

Der Wohnwagen war schnell hingestellt und ausgerichtet – dachten wir jedenfalls – und so konnte es bereits mit dem Aufbau vom Vorzelt losgehen.

Zuerst haben wir den Teppich ausgelegt, dann das Vorzelt durch die Kederleiste gezogen und die Stangen angebracht. Die vorderen Stangen waren auch recht fix aufgestellt und schon bald stand das Vorzelt grob so wie es sein sollte – alles super.

Als wir dann das erste Sturmband in der Hand hatten und anbringen wollten, fiel uns bei näherem Hinsehen auf, dass wir nach dem Aufstellen des Vorzeltes mit einer Ecke auf dem Stellplatz des Nachbarn standen – richtig gutes Augenmaß … Und nun?

In Endeffekt haben dann Bredux und ich den Wohnwagen zurecht gezogen und Lacri hat nach und nach eine Stange nach der anderen hinterher gerückt. Das hat sogar recht gut funktioniert ohne dass wir den Vorzeltaufbaufortschritt wieder zunichtemachen mussten. Leider lag jetzt eine Baumwurzel etwas ungünstig im Weg, aber das würde schon gehen.  

Die Aktion hat natürlich unsere enorm große Campingerfahrung wiedergespiegelt … Ein zweites Mal passiert uns das hoffentlich nicht. Allerdings – vielleicht wäre eine Abgrenzung mit akkurater Hecke für uns ja doch besser geeignet …

Irgendwann jedenfalls stand das Vorzelt und auch Lacri hat es, nach anfänglichen Schwierigkeiten, geschafft ihr kleines Schlafzelt aufzustellen.

Die Einrichtung des Vorzeltes war dann recht schnell erledigt. Rasch stand fest wo die Küche hin soll. Die beiden Küchenschränke (einer als Küche und einer als Kleiderschrank für Lacri) waren schnell aufgebaut und schon stand auch unser zweiflammiger Kocher oben drauf. 

Wir haben dann noch Töpfe, Teller, Becher und so weiter in die Schränke geräumt, die elektrische Kühlbox für Getränke aufgestellt und wollten den Hängekorb für Gemüse und Obst aufhängen. Dabei blieb es dann aber leider, denn dieser blöde Hängekorb war nirgends aufzufinden. Das ist das Teil, was mit als aller erstes auf unseren diversen Einkaufslisten stand und wir uns “fast” sicher sind, dass wir auch einen gekauft haben. Bis heute wissen wir nicht wo das Teil ist und ob es das bei uns überhaupt gibt. Wir werden, dann wohl “noch einen” kaufen müssen. 


Praktische Hölzchen

An dieser Stelle komme ich noch mal auf das Holzkästchen von meinem Papa zurück. Dazu möchte ich sagen, dass er Schreiner ist. Zwar mittlerweile in Rente, aber immer noch mit Leib und Seele. So kam es, dass ich ihn vor Urlaubsbeginn gefragt habe, ob er ein paar kleine übrig gebliebene Holzplättchen für uns hat, um die Campingküche und auch unsere Kühlbox etwas ausrichten zu können. Bekommen haben wir nichts übrig gebliebenes, sondern ein Kästchen voll mit Holzplättchen, zurecht geschnitten und in unterschiedlichen Stärken – echt genial!

Mit den Holzplättchen haben wir also alles ausgerichtet, dazu noch ein paar Haken und Organizer an den Stangen befestigt, dann waren wir fertig – dachten wir …

 

Und weil wir das dachten, sind wir natürlich nach der Aufbauaktion erstmal zum Strand gegangen. Es war auch wirklich schönes Wetter und wir haben uns beim Aufbau und bei den paar Minuten die wir am Sandstrand saßen schon den ersten Sonnenbrand geholt. 


Baumwurzel und Spinnenbesuch

Der restliche Tag dümpelte so dahin. Wir haben noch etwas den Campingplatz erkundet, die Waschhäuschen inspiziert und sind alle mehrfach über die Baumwurzel in unserem Vorzelteingang gestolpert. Am Abend gab es Ravioli aus der Dose, etwas Salat und für jeden ein kleines Stück Steak, welches wir noch mitgebracht hatten.

Später am Abend ist Lacri noch eine große Runde spazieren gegangen und Bredux und ich haben uns ins Vorzelt gesetzt, die Ruhe genossen, gelesen und eine Spinne vor die Tür gesetzt – noch in letzter Sekunde, bevor sie mich angreifen konnte …

Schlafen konnten wir in dieser ersten Nacht erstaunlich gut. Trotz neuer Umgebung und anderen Betten sind wir schnell eingeschlafen und hatten eine ruhige Nacht.


Drei Kilometer für Baguette

Da Lacri immer recht früh wach ist, hat sie direkt angeboten sich morgens um Baguette und Croissants zu kümmern. Am Vortag hatten wir schon die Boulangerie (Bäckerei) an der kleinen Strandpromenade entdeckt. Sie machte sich also an dem ersten Morgen recht früh auf den Weg in Richtung Strand und stand leider vor verschlossenen Türen. So ging sie zurück zum Platz und fragte in der Rezeption, wo sie Baguette herbekommen könnte.

Kurz darauf hatte ich dann diese WhatsApp-Nachricht auf dem Handy:

„Baguette und Co gibt es hier erst ab Juli. Wir müssen ins nächste Dorf, ca. 3 km. Ich mach mich mal auf den Weg. Ihr dürft mich aber gern unterwegs einsammeln, wenn ihr Startklar seid. Macht euch aber keinen Stress.“

Also habe ich mich fertig gemacht, ins Auto gesetzt und bin ihr entgegen gefahren. Es waren wahrscheinlich mehr als drei Kilometer und die Info von dem “netten” Mann aus der Rezeption war wohl auch nicht ganz richtig. Ob aus Unwissenheit oder weil er es einfach witzig fand – wir wissen es nicht.

Baguette und Croissant hat Lacri im Ort zwar gekommen, das hätte sie allerdings auch ab sieben Uhr dreißig in der kleinen Boulangerie am Campingplatz – sie war an dem Morgen leider einfach etwas zu früh.

So hatte Lacri also ihren Morgenspaziergang schon hinter sich, wir hatten Frühstück und nun konnte unser erster Urlaubstag starten.


Wir bauen “mal eben” das Vorzelt um

Gestartet ist er damit, dass wir die Frontteile vom Vorzelt getauscht haben. Das linke Frontteil nach rechts und das Rechte nach links – denn die Baumwurzelsituation wurde einfach nicht besser. So war die Tür schlussendlich in der Mitte. Die Baumwurzel war zwar immer noch da, allerdings hatte jetzt nur noch Lacri das Problem damit, da die Wurzel nun direkt vor ihrem Schrank lag. Aber offenbar war das ok – es kamen jedenfalls keine Beschwerden.

Das Wechseln der Teile klang im ersten Moment total simpel: Reißverschluss auf – Seiten tauschen – Reißverschluss wieder zu. Ganz so einfach war es aber dann doch nicht. Es ging damit einher, dass wir alle Heringe mit denen abgespannt war rausschrauben, und nach dem Tausch wieder reinschrauben mussten, denn die Verbinder mit den Heringen sind an den Frontteilen angebracht. Dazu kam, dass wir die gesamte Inneneinrichtung, also Küche, Küchenschränke, Organizer und so weiter einmal komplett tauschen mussten. 

Bei der ganzen Aktion haben wir auch festgestellt, dass sich nicht nur die eine Spinne vom Vorabend zu uns verirrt hat, sondern ziemlich viele weitere.

Aber irgendwann waren wir auch damit fertig, alle Spinnen waren verscheucht und alles was vorher links stand, stand nun rechts und dann ging es erstmal wieder zum Strand, denn das Wetter war echt schön.

Es spielte sich so ein, dass Lacri am Abend eigentlich immer in der Umgebung unterwegs war und auch deutlich früher ins Bett gegangen ist als wir. So waren wir an diesem und den anderen Abenden immer zu zweit, haben gequatscht und gelesen. Einen Fernseher hatten wir nicht dabei und die Internetverbindung war trotz WLAN auch nicht so richtig gut – das war aber in Ordnung. Diesen zweiten Abend haben wir wieder mit unangenehmen Spinnenbesuch beendet – das Verscheuchen hatte dann doch nicht nachhaltig funktioniert.

Beim Aufstehen am nächsten Morgen strahlte uns die Sonne entgegen und Lacri hat wieder Baguette und Croissants geholt – diesmal hier vorm Campingplatz, ohne längeren Spaziergang.

 

 


Wie bauen “mal eben” das Vorzelt um – schon wieder?!

Nach dem Frühstück folgte wieder eine Vorzeltumbauaktion – das sollte aber wirklich die letzte bleiben. Die abendlichen Spinneninvasionen konnten so nicht weitergehen. Wir hatten uns beim Aufbau des Vorzeltes ein wenig an anderen Campern orientiert und die meisten haben ihre Faulstreifen nach außen gelegt und nach innen abgespannt, so also auch wir. Dadurch entsteht allerdings eine Lücke zwischen Vorzeltwand und Teppich und das ist offenbar eine Einladung für alle Spinnen der näheren Umgebung. Also haben wir alle Schraubheringe entfernt, den Faulstreifen nach innen gelegt, den Vorzeltteppich drüber und dann nach außen abgespannt. Das bedeutete natürlich wieder alle Heringe raus, Verbinder ab, außen anbringen und Heringe wieder rein und das diesmal nicht nur an der Front sondern rings rum. Für das nächste Mal sind wir auch in dieser Sache schlauer …

Wenn wir abends im Vorzelt saßen, haben wir immer Zitronellakerzen aufgestellt und insgesamt wurde es auch etwas besser. Dennoch hatten wir regelmäßig Spinnenbesuche.

An diese Problematik kann ich mich von damals gar nicht mehr erinnern und auch meine Eltern sagen, dass das nie so gewesen wäre. Vielleicht liegt es in diesem Fall an den vielen Bäumen, denn der Campingplatz liegt in einem Pinienwald. Wenn auch nicht sehr dicht, aber viele Bäume und Sträucher sind schon da.

Gewöhnen werde ich mich nicht mehr an Spinnen, aber damit leben muss ich wohl. Aus dem Wohnwagen konnten wir die auch glücklicherweise die ganze Zeit erfolgreich fernhalten.

Als wir mit der Aktion endlich fertig waren, haben wir den restlichen Sonntag am Strand verbracht – wir hatten wieder tolles Wetter. 

Der nächste Tag, war dann ein Montag und wir konnten einkaufen – darauf hatten wir uns ja schon ein bisschen gefreut. 

 


Mit dem Wohnwagen auf “Le Gurp” 2019 – Teil 1



Links:

Camping Municipal du Gurp: https://www.medoc-atlantique.de/fiches/camping-municipal-du-gurp/

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